Eröffnungskonzert Calmus Ensemble am 02. April 2026
Brillantes Konzertereignis im Sennhof
Wie hochgespannt die Erwartungen an dieses Konzert waren, ließ sich schon daran erkennen, dass die Reihen im Sennhofsaal komplett ausverkauft waren; ein seltener Umstand, den Gabriele Heidenreich als Chefin von Musik und Kultur Heiligenberg (MuK) in ihrer Nachrede bewegt zum Ausdruck brachte. Die große Anziehungskraft ging aus vom international renommierten Calmus-Vokalensemble. Die vor 25 Jahren in Leipzig gegründete Formation setzt sich aus fünf Profi-Musikern zusammen, die Register von Sopran, Alt, Bariton, Tenor und Bass sind mit jeweils einer Stimme besetzt, alle haben Musik studiert. Calmus ist auf den Podien weltweit gefragt und hat eine lange Reihe internationaler Preise und Wettbewerbe gewonnen – so etwa den Opus Klassik 2019 in der Kategorie „beste Chorwerkeinspielung“. Auf welchem Niveau Calmus die Kunst des reinen A-capella-Gesangs – also von Instrumenten unbegleitet – beherrscht, war ab dem ersten Ton zu bewundern. Das Quintett wartet nicht mit operntauglicher Stimmwucht auf, sondern mit fein geführter, absolut vibratofreier Gesangstechnik in lupenreiner Intonation, dazu präzise in der Deklamation wie von Geisterhand geführt. Geradezu atemberaubend ihr Pianissimo, vorgeführt etwa in zwei von Johannes Brahms‘ innigen Nacht- und Waldliedern. Das Auditorium, offenbar durchweg tief eingeweiht in die Finessen des hoch artifiziellen Chorgesangs, lauschte derart gebannt, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Den Roten Faden des Programms lieferte die „Mass for Five Coices“ des englischen Shakespeare-Zeitgenossen William Byrd. Zwischen die Teile des Messordinariums eingestreut erklangen Werke modernerer Komponisten, neben Brahms etwa eine Vertonung des Psalms 130 – „Aus tiefer Not rufe ich, Herr“ – aus der Feder des deutschen Spätromantikers Heinrich Kaminski oder Leonard Cohens „Anthem“. Große stilistische Variabilität war da zu bewundern. Das MuK-Konzertjahr startete also eindrucksvoll. Nächster Termin ist der 3. Mai mit einem südamerikanischen Klavier- und Gesangsduo.
(PM)

